Yang Jun, Yang Chengfu Center, International Yang Family Taijiquan Association

Yang Jun, der Yang-Stil und seine internationalen Symposien in USA

Der neue Yang-Stil-Linienhalter Meister Yang Jun und seine neue Doppel-Rolle als Yang-Stil-Vertreter und Symposiums-Moderator. (Vgl. dazu auch die Diskussion der unterschiedlichen Thesen zum Yang-Stil-Gründer Yang Luchan im Kontext der Symposien).

Yang Juns ist Gründungsmitglied seiner Dach-Organisation in Seattle USA. Sie firmiert bekanntlich gleichzeitig unter zwei Namen International Yang Family Taijiquan Association und International Yang Style Taijiquan Association.

Was ist bezeichnend für Yang Juns Denkweise und Einstellung?

Wie Yang Jun selbst schreibt, hat er nie ältere Formen der Yang-Familie gelernt ("I'm following Yang Chengfu Large Form. I have never practice other forms"). Also auch nicht diejenige alte Familien-Form gehören, die Yang Chengfu an seinen ältesten Sohn Yang Shouchung tradiert hat und die auf Youtube in voller Länge anzuschauen ist.

Man kann sich also unschwer vorstellen, wie viel Wissen über traditionelles Yang-Familien-Tai-Chi in dem Zweig von Yang Jun verloren gegangen ist und nicht weiter tradiert wird. In diesem Sinne wirkt der Slogan "From Generation to Generation - the tradition continues" absurd und ist überhaupt nicht nachzuvollziehen. Wer es trotzdem glaubt und öffentlich verkündet, muss sich vorwerfen lassen, vor dem Faktencheck wie dem des DTB die Augen zu verschließen . . .

DTB-Experten haben das Bevorzugen von Fiktionen anstelle von Fakten in der Taiji-Szene an anderen Stellen klar belegt (s. Yang-Jun-Discussion-Board). Nach Analysen von Fachleuten geht es längst allzu häufig um "heiße Luft" - eine künstliche Erhöhung des Taijiquan aus kommerziellen Erwägungen heraus. Dies ist aus DTB-Sicht zu kurz gedacht - und es wird der ohnehin gesunkenen Taiji-Reputation Schaden zufügen.

Die Strategie, Kritik und Ungereimtheiten totzuschweigen ist leicht erkennbar und erinnert an den Aufdruck "Füllhöhe technisch bedingt". Einen solchen Ansatz wie die Tai Chi Symposien als "Landmark of Openess" zu bezeichnen kann man wohl als Mogelpackung bezeichnen. Feedback dazu im Zusammenhang mit der Ausbildung Tai Chi Kiel.

Veranstalter Yang Jun sagt in seinem "Association's Journal 2014" für seine Yang Chengfu Taijiquan Center:

Ziele der Symposien

One way is the promotion of Tai Chi Chuan through hosting high-standard events, such as the International Tai Chi Chuan Symposium. The goal is to raise awareness of Tai Chi Chuan in the general public as well as provide quality educational events for beginning and advanced practitioners. The Symposium is one example of such an event and of how support of the Foundation increases awareness of not only Yang style Tai Chi Chuan, but awareness of Tai Chi Chuan in general in the greater community (please compare Yang-Jun-Discussion-Board).

Yang Jun

Yang Jun im Gesamt-Kontext

Seit dem 2. Symposium 2014 kann Yang Jun, ein Vertreter der 6. Generation der Familie Yang aufwarten mit der Bezeichnung "höchster/führender Großmeister" - in der der Ankündigung war es ein Treffen der "foremost". Nebenbei gesagt wurde ihm dabei auch die offizielle Ehrung "Kentucky Colonel" verliehen. Manche fragen sich, was nach Esoguru und diesem noch kommen wird . . .

Man sollte Yang Jun und seine Strategien in einem Gesamt-Zusammenhang sehen, der auch chinesische Interessen beeinhaltet. Dies wiederum steht in engem Zusammenhang mit Zertifizierung und Standardisierung der Yang Chengfu Taijiquan Center unter dem gemeinsamen Dach der International Association von Meister Yang Jun.

Yang Jun und seine neue Rolle seit dem Motto: "All Taijiquan is ONE Family"

Die gemeinsame Kern-Botschaft beider Kongresse beschreibt die offizielle 2014-Ankündigung: "Alle Stile bilden EINE Familie - verbunden durch gemeinsame Charakteristika, Historie und eine gemeinsame Philosophie" (1). Diese zentrale Botschaft des 2. Symposiums 2014 "Tai Chi ist EINE Familie" schafft für den Veranstalter Yang Jun eine neue Situation. Dieser jüngste Großmeister ist in seiner neuen Rolle gehalten, bei Kontroversem zu vermitteln und die Geschlossenheit herauszustellen. Klar, dass er sich dabei in ein Geflecht von Abhängigkeiten verstricken könnte. Da ist zum einen seine Bestätigung als Linienhalter durch die Großmeister der anderen Stile auf dem Tai-Chi-Symposium 2009 in Nashville. Der Leiter der Zeremonie Chen Zhenglei prangte eine Zeit später auf dem Cover von Yang Juns Association mit einer bemerkenswerten Ausführung der "Peitsche".

Der Slogan der "EINEN Familie" ist ja nicht neu und in der Yang-Familie bekanntlich nicht gerade positiv für Yang Chengfus Sohn Yang Shouchung, der einst beim Push Hands von einem Vertreter der Wu-Familie besiegt worden sein soll.

Die neue Perspektive der Betonung von Gemeinsamkeiten erscheint durchaus riskant, denn chinesische Verbände verfolgten schon immer sehr divergierende Interessen. Die zugrundeliegende Motivation ist wohl die steigende Verbreitung und Attraktivität konkurrierender Gesundheitsprogramme wie Yoga oder Faszien-Fitness.

Vielleicht soll künftig von den chinesischen Instituten ein "Internationales Gesamt-Taijiquan" verbreitet und gefördert werden - nach dem Vorbild des "Health-Qigong"? Da wäre es natürlich von Vorteil, wenn es eine in sich stimmige Methode gäbe. Vielleicht sind die neu-entwickelten Kurzformen der Familien-Clans ein wichtiger Baustein in diesem Konzept.

Yang Yamilie und Chen-Familie - historische Beziehungen und Faktencheck

Überhaupt ist die Beziehung der Yang-Familie zur Chen-Familie ja seit Yang Luchan klar definiert: Yang-Stil kommt vom Chen-Stil und der war der originale Taijiquan-Stil. Dies könnte sich noch zu einem unschönen Dilemma entwickeln, denn stetig nimmt die Meinung von Experten weltweit zu, in der bezweifelt wird, dass der Chen-Stil überhaupt als Taijiquan bezeichnet werden sollte. Siehe auch die Recherchen von Wu Tunan u. a. zum Thema "Neue Grabsteine der Chen-Meister" und zum Thema "Keine Wudang-Theorie aber buddhistische Form-Namen".

Es spricht für die Größe und Aufrichtigkeit des Chen-Meisters Chen Fake, dass er in einem Gespräch mit Wu Tunan nicht darauf beharrte, dass seine Chen-Familien-Kampfkunst zum Taijiquan zählen würde oder eine "innere Kampfkunst sei. Quelle: http://practicalmethod.com/2012/02/from-the-archives-of-www-chenzhonghua-org-the-article-what-is-in-a-name/

Der bekannte Wu-Hao-Meister Wu Wenhan hatte ja bereits im Newsletter des Taichi-Symposiums 2009 dargelegt, dass erst die gemeinsame Weiterentwicklung von Yang Luchan und Wu Yuxiang als eigentliches Taijiquan bezeichnet werden sollte und die Chen-Familie ja gar keine Theorie geschweige denn schriftliche Unterlagen hätte. Er verweist dabei auf die Klassischen Schriften der Wu-Familie (s. Klassische Schriften). Erfolgte die Löschung dieses Artikels, den Yang Jun persönlich ins Englische übersetzt hatte aufgrund von Beschwerden? Der DTB hatte die Nicht-Auffindbarkeit ja nachdrücklich kritisiert. Sie ist jedoch seit kurzem wieder öffentlich - eine Fundgrube für ernsthafte Forscher.

Yang Jun und das angebliche Tai-Chi-Alleinstellungsmerkmal "Innere Kampfkunst"

Alle Familien sind sich einig über die angebliche "Einzigartigkeit", derzufolge Tai Chi neben dem Bagua und dem Xingyi die einzige Innere Kampfkunst sei. Schon in den überlieferten klassischen Schriften geht es um dieses von allen Stilen beanspruchte "Alleinstellungsmerkmal" der "Inneren Prinzipien", die es in anderen Kampfkünsten nicht gäbe. Auch hier schreitet die Forschlung stetig voran und die heutige leichte Verbreitung von neuem Wissen zeigt, dass die höchste Ausprägung vieler Kampfkünste auf solchen Prinzipien beruht und diese mit Formulierungen beschreibt, die denen der Klassiker (oft bis aufs Wort) gleichen. Es seien hier genannt Judo, Aikido und selbst das Wado Ryu Karate, das diese "internals" über das SYR überliefert bekam.

Für Yang Jun ergibt sich daraus ein Dilemma: Schon sein Urgroßvater Yang Chengfu hatte seinerzeit die angebliche Überlegenheit des Taijiquan betont herausgestellt in seinen Zehn Prinzipien und damit den damaligen Zeitgeist in Peking sehr professionell bedient. Da Yang Jun seine Schulen nach seinem Urgroßvater "Yang Chengfu Taijiquan Center" nennt, muss er an dieser Fiktion festhalten. Folgerichtig hat er dies sogar in seinen offiziellen Prüfungsfragen zementiert. Sehr mißlich: Auch für seine Prüflinge ensteht dadurch ein Dilemma: Sollten sie über entsprechendes Wissen und größere Kontexte verfügen, so wären sie wohl gezwungen, dies entsprechend anzukreuzen, um zu bestehen und im internen Center-eigenen Ranking aufzusteigen!



Anmerkungen:

(1)

"All the styles are linked by shared characteristics, by history, and by a common philosophy, into one “family” of Tai Chi Chuan.

 

Veranstalter Yang Jun beschreibt in seinem offiziellen "Association's Journal 2014" die Familien-Stile der eingeladenen Großmeister so:

Was sind die einzigartigen Form-Charakteristika der verschiedenen Stile?

Der Yang-Stil benutzt den großen Rahmen mit langsamen anmutigen und ebenmäßigen Bewegungen. Sie sind einfach, klar und nicht etwa blumig. Der Chen-Stil ist manchmal schnell und manchmal langsam; er nutzt eine Menge von Kreisen und Spiralen und weist außerdem die Explosiv-Energie Fajin auf. Der Wu-Hao-Stil betont in seinem kleinen Rahmen die Idee des Öffnens und Schließens; seine Bewegungen sind klein aber sehr stark. Beim Üben merkt man, wie die Energie hochgebracht wird. Im Wu-Stil (Jianquan) scheint es ein eigenständiges Vorwärtslehnen zu geben, aber genau genommen ist dies eine Neigung um das Zentrum; sie sind stark verwurzelt. Es gibt unterschiedliche Vorgaben für die Körperhaltung, Fußarbeit und die Neigung. Man kann diese Methoden der Fußarbeit mit den eigenen vergleichen und es könnte das eigene Üben stabiler machen. Der Sun-Stil hat Xingyi-Techniken und Methoden der Körper-Drehung des Bagua eingearbeitet; ihre Hand-Techniken basieren auf dem Wu-Hao-Stil. Es ist eine Kombination. Alle diese Stile können Ideen geben, den eigenen Stil zu verbessern. Jeder Stil hat seinen eigenen "Geschmack", eine eigene "Würze" und wir können von ihm lernen, indem wir diejenigen Techniken beobachten, die typisch für den Stil sind.